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Alexander Shatov

Linkes Feindbild Elon Musk: Die Twitteria fürchtet um die Diskurshoheit

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Rund eine Woche nachdem Elon Musk Twitter erworben hat, steht die Plattform weiterhin Kopf. Rational lassen sich dabei die wenigsten Ausfälle erklären. Viele Linke fürchten den Verlust der Diskurshoheit auf der Plattform und schlagen daher wild um sich.

Dieser Tage herrscht auf Twitter sehr viel Aufregung, es geht beinahe zu wie im Hühnerstall. Nach der Übernahme des Netzwerks durch den amerikanischen Tech-Milliardär Elon Musk und die damit verbundenen Umstrukturierungen steht die Plattform Kopf. Die Twitteria, eine Ansammlung aus traurigen Narzissten und schrillen Dauerempörten, ist außer Rand und Band und twittert sich seit Tagen in Rage. Verhältnismäßig sind die wenigsten Reaktionen. Und doch: Kein Vorwurf ist zu abstrus, keine Ton zu schrill.

Die SPD will Twitter jetzt an die kurze Leine nehmen. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der auf der Plattform sehr aktiv ist, sieht durch die Übernahme des Kurznachrichtendienstes durch Elon Musk gar die Meinungsfreiheit in Gefahr. Konkrete Belege bleibt er jedoch schuldig. Denn: Bisher ist mit Twitter als Plattform noch nicht viel passiert, außer dass Musk die alte Unternehmungsführung entlassen hat und parallel unzählige überflüssige Stellen abbaut. Hier und da lässt er seine Pläne für eine angepasste Monetarisierung durchblicken, revolutionär ist bisher das wenigste. Und dennoch ruft jede Ankündigung des reichsten Mannes der Welt lautstarke Reaktionen hervor.

Man muss wissen, dass Twitter eine sehr linke Plattform ist. Sowohl die Nutzer als auch das bisherige Management kann man weit links der politischen Mitte verorten. Liberale und Konservative sind dort eher Exoten. Da bringt der Libertäre Musk, der laut eigenem Bekunden das Vögelchen aus der politischen Einseitigkeit „befreien“ will, natürlich das Selbstverständnis der Vollzeit-Twitterer ins Wanken. Musk stellt die bisherige kulturelle Hegemonie auf Twitter offen in Frage. Er will die Meinungsfreiheit und -vielfalt auf der Plattform stärken und mit der linkslastigen Zensur-Kultur seiner woken Vorgänger brechen. Dieser sind auch in Deutschland dutzende liberale und konservative Accounts zum Opfer gefallen, häufig ohne erkennbare Grundlage.

Der ein oder andere Twitter-Schreihals fürchtet daher nun um die eigene Diskurshoheit und verteufelt den neuen Eigentümer. Der Internet-Aktivist Sascha Lobo erklärte im „Heute Journal“ den Zuschauern, dass Musk den „rechtsextremen“ Republikanern nahe stehe. Und, dass seit Musk Twitter übernommen habe, Hass und Hetze zunehmen würden, da die Rechten Morgenluft witterten. Lässt sich das noch wenigen Tagen in dieser Finalität belegen? Wohl kaum.

Wie hysterisch und undifferenziert die Debatte um Musk und Twitter geführt wird, zeigt auch ein bodenloser Beitrag auf der Tagesschau-Webseite. Dort vergriff sich der Journalist Nils Dampz massiv im Ton als er Musks Idee von Twitter als „Markplatz der Ideen“ brachial attackierte. Laut Dampz sollen unter Musk nun offenbar auch „rassistische oder verschwörerische Ratten aus ihren Löchern kriechen dürfen“. Und weiter: Twitter könne nur relevant bleiben, wenn man diese Ratten in ihre Löcher zurück prügele, so der Journalist.

Später entschuldigte sich die Tagesschau für die ungeheuerliche Entgleisung und löschte die Passage. Der Vorgang zeigt jedoch, wie absurd die Angriffe auf Musk und die Neuerungen bei Twitter sind. Musk wird mit Rassisten und Verschwörungsideologen in Verbindung gebracht ohne dies belegen zu können. Andersdenkende Nutzer, die nicht links sind, werden entmenschlicht und mit „Ratten“ verglichen. Man bedient sich eines Jargons, wie es in Deutschland im Nationalsozialismus üblich war. Und Elon Musk soll das Problem sein? Eher nicht.

In der Aufregung der letzten Tage kündigten viele größere linke Accounts zudem an, die Plattform verlassen zu wollen. Getan haben es bisher jedoch die wenigsten. Man kokettiert mit der eigenen Relevanz auf Twitter und lässt sich dann nur zu gern von den eigenen Anhängern zum Verbleib nötigen. Getreu dem Motto: Ich hätte die toxische Plattform nur zu gerne verlassen, aber ich bin es meinen Followern schuldig. In Wahrheit will man sich nur nicht in die Bedeutungslosigkeit verabschieden. Der ARD-Moderator Georg Restle mimt den trotzigen Widerstandskämpfer und bekennt mutig: „Hier bleiben. Solange demokratischer Disput noch möglich ist.“ Der Hass dürfe nicht siegen, so Restle. Wer den demokratischen Austausch genau gefährdet, erklärt er uns nicht. Auch woher genau der Hass kommt, werden wir wohl nie erfahren. Aber es klingt eben so schön heroisch und im Weltbild von Herrn Restle sind eben alle irgendwie rechte Hetzer.

Doch auch andere Nutzer machen aktuell mit skurriler Hirnakrobatik auf sich aufmerksam. Leute, die seit Tagen ihre Anhänger dazu auffordern, Twitter zu verlassen, wundern sich nun empört, dass sie jetzt haufenweise Follower verlieren und machen Manipulationen am Algorithmus dafür verantwortlich. Die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann beklagte, dass sie binnen einer Woche rund 700 Follower verloren habe. Der CDU-Querkopf und ehemalige Generalsekretär Ruprecht Polenz vermeldete via Tweet, er habe seit der Musk-Übernahme rund 600 Follower verloren. Ein wirklich schweres Schicksal für jemanden, der gerne im eigenen Saft steht.

Die dauererregte Historikerin Annika Brockschmidt, die ohnehin hinter jeder Ecke eine rechte Intrige wittert, ließ sich zu der Äußerung hinreißen, die Änderungen am Algorithmus wären bereits jetzt sehr deutlich. Vermeintlich „progressive Stimmen“ werden nun weniger häufig angezeigt. Brockschmidts Freundin, die selbsternannte Rechtsextremismus-Expertin und Autorin Natascha Strobl bekannte, der Algorithmus habe sie bei vielen ihrer Nutzer „rausgekegelt“. Seltsam, wenn man bedenkt, dass es bisher gar keine Anpassungen am Algorithmus gab. Außerdem ist die Vorstellung, dass man den Algorithmus mit dem Regler einfach so von links nach rechts schieben könnte, geradezu naiv. So sind die beiden Aktivistinnen keiner großen Twitter-Manipulation auf der Spur, sondern zeigen lediglich, wie schnell man links die Verschwörung wittert, sobald der eigene Narzissmus nicht mehr vollumfänglich bedient wird. Links-Twitter geht unter die Querdenker.

Elon Musk bereitet auf Twitter weder Rassisten noch Rechtsradikalen den Weg, er zensiert auch keine kritischen linken Stimmen. Wenn überhaupt, garantiert er in Zukunft den fairen Wettbewerb der Ideen. Musk hat es lediglich gewagt, ein linkes Biotop zu erwerben, in dem der linke Rand bisher schalten und walten konnte wie es ihm beliebte. Dementsprechend schrill sind nun die Reaktionen und Übersprungshandlungen. Dass Musk den Diskurs nun öffnet und echte Vielfalt auf Twitter Einzug hält, ist eine positive Entwicklung, gerade auch in Deutschland. Da kann der linke Elfenbeinturm noch so sehr toben.

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