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picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Vor Deutschlandtag: JU plant Neuaufstellung der CDU

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Wohin steuert die Union nach der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl? Bei der Antwort auf die Frage will der Parteinachwuchs mitreden. CDU-Präsidiumsmitglied Röttgen sieht die Christdemokraten in einer gefährlichen Situation.

Junge Union plant Zukunft der CDU

Rund drei Wochen nach dem historisch schlechten Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl kommt die Junge Union zu ihrem Deutschlandtag zusammen. Die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU will das Wahlergebnis von Freitagabend bis Sonntag aufarbeiten. Ursprünglich sollte das Thema Mobilität im Mittelpunkt der Beratungen stehen, nun dürfte die Neuaufstellung der Union das Treffen dominieren. Gleichzeitig nutzen Spitzenpolitiker der Union das Treffen, um sich zu positionieren. Bei der Bundestagswahl hatte die Union mit 24,1 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielt. Die SPD wurde stärkste Kraft mit 25,7 Prozent. Sozialdemokraten, Grüne und FDP sprechen derzeit über die Bildung einer sogenannten Ampelkoalition.

Röttgen fordert Mitgliederbefragung

Norbert Röttgen, Mitglied des CDU-Präsidiums, sagte im Interview mit dem „Spiegel“, er sehe nach wie vor „eine große Zukunft für die CDU“. Klar sei aber auch, „dass wir Fehler gemacht haben und jetzt in einer gefährlichen Situation sind“. Jetzt sei die Zeit um umzusteuern. Denn „wenn wir so weitermachen, sind wir bald nicht mehr Volkspartei“. Ob er selbst noch einmal versuchen will, CDU-Vorsitzender zu werden, ließ Röttgen im Interview offen. Er gehe davon aus, dass es in dieser Frage auf eine Beteiligung der Mitglieder hinauslaufen werde, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen. „Ich befürworte das“, fügte er hinzu.

Schaulaufen der Parteiprominenz

Der frühere CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Friedrich Merz, der wie Röttgen erneut als ein möglicher Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz gehandelt wird, sollte bei der Jungen Union am Freitag sprechen. Für Samstag haben der CDU-Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet sowie sein designierter Nachfolger als NRW-Ministerpräsident, Hendrik Wüst, ihr Kommen angekündigt. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte abgesagt. Stattdessen stellen sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Chef der Mittelstandsvereinigung (MIT) und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag Carsten Linnemann, ebenfalls ein mögliche Aspiranten auf die Parteispitze - der Diskussion mit den Delegierten. Linnemann gilt vielen Konservativen als jüngere Alternative zu Merz. Für Sonntag ist ein Grußwort des Unionsfraktionschefs Ralph Brinkhaus geplant.

Laschet will Neuaufstellung der CDU

Laschet hat angekündigt, die inhaltliche und personelle Neuaufstellung der Partei auf Bundesebene moderieren zu wollen. Die CDU will auf einem Sonderparteitag den kompletten Bundesvorstand neu wählen. Doch zunächst soll es am 30. Oktober ein

Treffen der Kreisvorsitzenden geben. Dieses Treffen soll dazu dienen, in die Mitgliedschaft hineinzuhorchen. Drei Tage später soll dann von Präsidium und Bundesvorstand entschieden werden, wie die Basis konkret die geplante Erneuerung eingebunden wird. Ob der Parteitag im Dezember oder womöglich erst im Januar stattfinden wird, ist offen.

Tilman Kuban kündigt harte Analyse an

„Selbstverständlich werden wir auch über das Wahlergebnis sprechen, aber wir schauen nach vorne und diskutieren Ideen zu der Frage, was die Union jetzt ändern muss“, sagte der JU-Vorsitzende Tilman Kuban der „Rheinischen Post“ (Freitag). Mit Blick auf den künftigen CDU-Vorsitz hofft der JU-Chef, dass sich auch eine Frau bewirbt. „Wenn die Frauen sagen, sie wollen mehr Einfluss, dann sollten auch Frauen kandidieren. Ich persönlich würde das sehr gut finden“, sagte Kuban. Die Junge Union werde sich positionieren, wenn man das Kandidatentableau kenne. Kuban erneuerte seine Forderung nach einer Mitgliederbefragung für die künftige CDU-Spitze und liegt hier auf Linie mit weiten Teilen der CDU-Basis.

rob/dpa