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picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Spalterische Debatte: Eine Impfpflicht führt nicht aus der Pandemie

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Die Debatte rund um eine mögliche Impflicht hält Deutschland in Atem. Ob sie wirklich kommt und wann, ist aktuell noch fraglich. Unverhofft könnte Omikron der Pandemie bis dahin ein Ende bereitet haben.

Ich selbst bin geimpft, geboostert und trage die Entscheidungen der Politik bezüglich Corona größtenteils mit. Dennoch spaltet die Diskussion um eine Impfpflicht Deutschland wie nie zuvor. Ein Großteil der Politik befürwortet diese. Einzelne Parteien, darunter die FDP, drohen sich aber innerparteilich an ihr aufzureiben.

So wie immer mehr Mitglieder der Parteien das Wort gegen eine allgemeine Impfpflicht erheben, so treibt es auch immer mehr Menschen auf die Straße, um ihren Unmut zu zeigen. Dabei wäre die allgemeine Impfpflicht doch der einfachste und effektivste Weg, aus der Pandemie zu kommen. Welche Argumente sprechen dagegen?

Die Frage ist: Was bewegt die rund 25 Prozent der deutschen Bevölkerung sich vehement gegen eine Impfung zu entscheiden? Viele Menschen haben großen Respekt vor der Impfung. Denn: Noch nie wurde ein Impfstoff so schnell entwickelt und in kürzester Zeit so vielen Menschen verabreicht. Doch auch noch nie zuvor war die Not nach einem Impfstoff so groß.

Malte Thiessen, Historiker und Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, beschreibt die Problematik wie folgt: „Impfungen sind Opfer ihrer eigenen Erfolge. Das heißt, je effektiver Impfungen funktionieren, desto geringer sind Ängste vor Infektionskrankheiten und desto stärker ist die Impfskepsis.“ Die schweren Verläufe des Corona-Virus nehmen ab, auch wenn die Zahlen steigen. Erfolg der Impfung und positive Nebenwirkung der Omikron-Variante. Die eigene Impfskepsis wird bestätigt.

Die Politik diskutiert nun seit mehr als einem Jahr unterschiedlichste Methoden, um die Bevölkerung dennoch zum Impfen zu bringen. Eine Impfkampagne machte den Anfang, kam aber nicht an die Impfgegner heran. Auch von Nachteilen im öffentlichen Leben für Ungeimpfte mit 2G-Regeln ließ sich kaum ein Impfgegner abschrecken.

Außerdem diskutiert wurden höhere Krankenkassenbeiträge für Ungeimpfte, da sie sich eigenverantwortlich dem Risiko stellen, einen schweren Corona-Verlauf zu bekommen und die Kosten für die Behandlung dann anteilig zahlen sollten. Aber müssten dann nicht auch alle Raucher und Patienten mit Übergewicht höhere Beiträge zahlen?

Als letztes Mittel hat die Regierung nun die Impfpflicht ins Spiel gebracht. Doch noch zögert man. Österreich hat die Impfpflicht schon im Dezember beschlossen. Auch dort wartet man jetzt mit der Umsetzung. Es heißt, die Impfpflicht müsse unter der Berücksichtigung der Omikron-Variante neu beleuchtet werden. Durch Omikron sei ein bisher unerreichtes Ausmaß an Immunität in der Bevölkerung zu erwarten.

Wenn mit Omikron deswegen keine schweren Wellen mehr drohten, sei eine Impfpflicht nicht mehr verfassungsrechtlich zu argumentieren. Ist das auch der Grund, warum man in Deutschland jetzt zögert?

Eines steht fest: Das Vertrauen der deutschen Bürger in die Institutionen ist mit der Pandemie deutlich gesunken. Ein Anstieg des Vertrauens ist dringend von Nöten. Die Rhetorik gegenüber Impfpflicht-Kritikerin ist schon jetzt vollkommen eskaliert. Der Gesellschaft jetzt eine Impfpflicht aufzuzwingen, würde diese vor eine Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang stellen.

Vielleicht stellt Omikron für die Politik einen möglichen Ausweg da: Verzicht auf eine Impfpflicht und die Annäherung eines normalen Lebens mit leichteren Corona-Verläufen. Omikron als „Blessing in Disguise“ sozusagen.