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picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Mikhail Metzel

Schulterschluss gegen den Westen: Putin trifft Xi zum Gipfel bei Olympia

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Olympia-Gipfel in Peking: Wladimir Putin sucht inmitten des Ukraine-Konflikts den Schulterschluss mit Xi Jinping. Mit ihrer autoritären Politik senden die beiden ein Signal - besonders an die USA.

Im Schatten zunehmender Spannungen mit dem Westen kann sich Russlands Präsident Wladimir Putin auf einen Unterstützer stets verlassen - auf China. Wenn der Kremlchef zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele am Freitag nach Peking kommt, will er Staatschef Xi Jinping mit Blick auf den politischen Boykott der Spiele durch die USA und andere Staaten den Rücken stärken.

Angesichts der westlichen Sanktionsdrohungen im Ukraine-Konflikt sendet der 69-Jährige aber auch das Signal, dass die Energiegroßmacht Russland ihr Gas, Öl und Kohle auch in China gut verkaufen kann.

Wie Russland sucht auch China eine neue Weltordnung. Zwar gibt es historisch viel Misstrauen zwischen den beiden riesigen Staaten, doch wird das Verhältnis unter amerikanischem Druck immer enger. Beim ersten persönlichen Treffen von Xi und Putin seit zwei Jahren ist auch eine gemeinsame Erklärung geplant.

Russland will die US-Truppen in Europa von seiner Grenze wegdrängen und fordert einen Rückzug der Nato. China will die westlichen Mächte ebenfalls nicht vor seiner Haustür im Pazifik. Wenn Xi und Putin „Multilateralismus“ predigen, meinen sie: eine Welt ohne die Dominanz der USA.

Im Ukraine-Konflikt steht Peking treu an Moskaus Seite. Russlands Sicherheitsinteressen müssten „ernst genommen und gelöst“ werden. Die Sicherheit eines Landes dürfe nicht auf Kosten eines anderen gehen. Zugleich setzt China auf russische Unterstützung bei der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und einer angestrebten Übernahme des freiheitlichen Taiwans.

Peking lehnt wie Moskau eine Ausweitung von Militärblöcken ab - weil diese sich auch gegen China richten können. Die Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Länder wird zwar enger. Aber von einer Militärallianz sind sie weit entfernt. Seit zehn Jahren gibt es gemeinsame Manöver - zuletzt im Januar im Golf von Oman, sogar mit dem Iran. So wird gemeinsam Front gegen die USA gemacht.

Putin macht keinen Hehl aus seiner Verachtung für liberale Ideen des Westens und fährt einen zunehmend autoritären Kurs. Auch Xi verbittet sich eine «Einmischung in innere Angelegenheiten» unter dem Vorwand von Menschenrechten und Demokratie. Putin sekundiert.

Das Fernbleiben von US-Politikern bei Olympia nennt er eine „nicht hinnehmbare“ Entscheidung mit dem alleinigen Ziel, Chinas Entwicklung zu bremsen. Sportereignisse müssten frei von Politik bleiben.

Trotzdem geht es Putin bei dem Olympia-Gipfel mit Xi natürlich auch um Politik - die Partnerschaft soll mit neuen Abkommen ausgebaut werden. Zwar sind China und Russland wirtschaftlich ungleiche Partner:

Die russische Wirtschaft ist gerade mal so groß wie die Italiens, China hingegen die zweitgrößte Wirtschaftsmacht nach den USA. Allerdings ist Russland mit seinen Bodenschätzen für China eine Großmacht: Aus keinem anderen Land importiert die Volksrepublik so viel Energie und Rohstoffe.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Russland auch wegen des Sanktionsdrucks aus dem Westen schätzt, macht inzwischen vielen im Westen Sorgen. Die deutsche Wirtschaft etwa warnt seit Jahren davor, Putin könne sich ungeachtet der nach Europa orientierten russischen Eliten komplett vom Westen ab- und China zuwenden.

Mit großer Sorge wird in den USA beobachtet, wie Russland und China den Schulterschluss proben. Zwar sieht Präsident Joe Biden in China den mächtigsten Konkurrenten.

Seine Aufmerksamkeit wird aber immer wieder von einem anderen Kontrahenten beansprucht - von Putin. Ein Gipfel im Juni in Genf brachte keine Deeskalation. Die Spannungen sind so heftig wie nie seit Ende des Kalten Krieges.

Die US-Geheimdienste beobachten einen fortschreitenden Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking. In ihrer jährlichen Bedrohungsanalyse hielten sie fest: „China ist zunehmend ein fast gleichwertiger Konkurrent, der die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen herausfordert - vor allem wirtschaftlich, militärisch und technologisch - und darauf drängt, globale Normen zu verändern.“ Russland wiederum versuche weltweit, den Einfluss der USA zurückzudrängen - auch mit Mitteln der Gewalt.

Wie konkret Gewalt werden kann, wird auch Putin wieder in Erinnerung kommen. Als er das letzte Mal zur Eröffnung der Olympischen Spiele nach Peking kam, war es Sommer, der 8. August 2008.

Damals traf er sich auch mit US-Präsident George W. Bush. Am selben Tag brach im Südkaukasus der Georgien-Krieg aus: Russlands Militär setzte sich in Bewegung, um einen Angriff Georgiens unter dem US-freundlichen Präsidenten Michail Saakaschwili gegen die abtrünnige Region Südossetien niederzuschlagen.

Wenig später verlor Saakaschwili, der auf die Unterstützung der USA gezählt hatte, nicht nur Südossetien, sondern auch Abchasien, die Russland dann beide als unabhängige Staaten anerkannte. Vor dem Olympiastart in Peking gibt es Warnungen, dass sich solch ein Szenario nun im Osten der Ukraine wiederholen könnte.