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picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Realitätsschock für Habeck: Deutschland wird Klimaziele wohl verfehlen

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Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) erwartet, dass Deutschland die durch das Klimaschutzgesetz formulierten Klimaziele in den kommenden zwei Jahren nicht einhalten kann.

Was für ein Start im neuen Amt: Bundesklimaschutzminister Robert Habeck geht davon aus, dass Deutschland in den kommenden zwei Jahren seine Klimaschutzziele verfehlen könnte. „Wir werden unsere Ziele vermutlich auch für 2022 noch verfehlen, sogar für 2023 wird es schwer genug“, so der Grünen-Politiker. Mit Blick auf die Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen erklärte er beinahe entschuldigend: „Wir fangen mit einem drastischen Rückstand an.“

Der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP biete aber „viele Möglichkeiten“, um künftig nachzubessern, sollten die einzelnen Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft oder auch Energie ihre CO2-Minderungsziele verfehlen, erklärte Habeck. Alle Ministerien haben laut Habeck aber das gemeinsame Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen und damit die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

In Deutschland führe zudem kein Weg am massiven Ausbau erneuerbarer Energien vorbei, bekräftigte Habeck. Das bedeute auch, dass es „quasi überall da, wo der Wind weht“, Windkraftanlagen werde geben müssen. Im Durchschnitt müssten es 1.000 bis 1.500 neue Windräder im Jahr sein, sagte Habeck - auch abhängig davon, wie viele alte Anlagen durch neue ersetzt werden könnten. In den vergangenen Jahren seien es „kaum mehr als 450“ gewesen.

Gerade der Ausbau von Windkraftanlagen sorgt in den betroffenen Regionen häufig für Verstimmungen. Klagewellen und Proteste sind dann das Ergebnis. Wie Habeck diesen Widerstand brechen will, wird interessant zu sehen – kann die Energiewende doch nur mit und nicht gegen die Bevölkerung gelingen.

Zum Ziel der neuen Bundesregierung, bis Ende des Jahrzehnts 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen, sagte Habeck: „Wir haben 30 Jahre gebraucht, um auf einen 42-prozentigen Anteil zu kommen. Jetzt haben wir gut acht Jahre Zeit, um das Doppelte hinzubekommen.“

Im Zuge dieses Strukturwandels werde es „auch Enttäuschung und vielleicht Zorn geben, da mache ich mir keine Illusionen“, sagte Habeck mit Blick auf Arbeitsplätze, die etwa in den Kohleregionen wegfallen könnten. Das könne für die Betroffenen „eine bittere Nachricht“ werden, sagte Habeck. Er versicherte aber: „Es werden neue Arbeitsplätze entstehen, uns geht die Arbeit nicht aus, ganz im Gegenteil.“ Die Gesellschaft werde insgesamt profitieren, wenn der Wandel gelinge. Ob Habecks Erwartungen sich bewahrheiten, bleibt abzuwarten.