268379428.jpg

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Plädoyer eines „Merz-Ultras“: Warum er jetzt der Richtige ist

Diesen Artikel teilen!

Friedrich Merz hat die Mitgliederbefragung für den Parteivorsitz der CDU im Dezember klar für sich entschieden. Er hat Kante und Profil. Genau das braucht seine Partei jetzt.

Ich habe einen Freudensprung gemacht, als ich am 17. Dezember vor dem Livestream saß und die Ergebnisse der CDU-Mitgliederbefragung bekanntgegeben wurden. Mit überwältigenden 62,1 Prozent wurde der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von den Mitgliedern seiner Partei gewählt. Er hat es geschafft – endlich!

Zwei Mal wurde er verhindert und zwei Mal sind seine Gegenkandidaten, Annegret Kramp-Karrenbauer und später Armin Laschet, gescheitert, auch an der eigenen Partei. Letztendlich hat die Parteiführung eingelenkt und die Basis entscheiden lassen, deren Votum nun mehr als eindeutig ausgefallen ist.

Aufgrund meines Alters kannte ich Merz als aktiven Politiker nicht. Doch seitdem ich mich mit Friedrich Merz im Zuge seiner ersten Kandidatur eingehend auseinandersetzte, war ich von ihm überzeugt. Dieser Mann ist der Richtige. Man könnte mich so gesehen als „Merz-Ultra“ bezeichnen.

Merz ist jemand, der von außen kommt, der unbelastet ist, der nicht für falsche Entscheidungen der Vergangenheit verantwortlich ist, zum Beispiel den Ausstieg aus der Kernenergie oder die Offenhaltung der Grenze 2015. Er ist aber vor allem jemand, mit dem man die frühere, konservativere CDU verbindet.

Die Union sollte ihre Hauptaufgabe darin sehen, die Heimat der bürgerlich-konservativen Wähler zu sein. Wenn die Union bestehen will, darf sie nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen, sondern muss Politik für das eigene Klientel machen. Die CDU muss eine Antwort auf die Existenz der AfD, das Phänomen der Freien Wähler und den Hype der FDP geben. Dort findet man die Wähler der Union. Kreuzberger Grüne werden nie die CDU wählen, egal wie vermeintlich mittig sich die Partei positioniert.

Nach 16 Jahren Angela Merkel brauchte es wieder jemanden, der klare Positionen vertritt und den notwendigen Willen für Veränderungen mitbringt.

In den letzten Jahren haben Parteifreunde, Journalisten und andere bekannte Personenkreise versucht, Merz mit allen Mitteln zu verhindern. Zum einen glaubte man, Merz mit künstlicher Empörung negativ framen zu können. Egal, ob es sein früheres Abstimmungsverhalten im Bundestag, die Tätigkeit beim Vermögensverwalter BlackRock oder einfach nur sein Alter war, seine Gegner hatten immer wieder alte Skandälchen gegen ihn aus dem Hut gezaubert. Oder besser gesagt: An den Haaren herbeigezogen.

Zum anderen wurden Gegenkandidaten aufgestellt, die den Außenseiter um jeden Preis verhindern sollten. Zuerst kürte die Kanzlerin Kramp-Karrenbauer zu ihrer Nachfolgerin, dann war Laschet am Zug und bei der Mitgliederbefragung musste schließlich Helge Braun herhalten. Peinlichst versuchte das Konrad-Adenauer-Haus nach Merkel eine Art Macht-Dynastie der heiligen Mitte aufzubauen. Doch ebenso wenig wie die CDU eine Erbmonarchie ist, ist die Mitte heilig. Zurecht wurde das Zepter letztendlich durch die Basis an Merz überreicht.

Von linken Hauptstadtjournalisten verspottet als der ultrakonservative, ewiggestrige Kandidat der Neunziger, war Merz entgegen des Framings verglichen mit allen anderen Kandidaten immer jener, der die größten Reformanstrengungen gefordert hatte. Die Reform des Rentensystems, eine bessere Fiskalpolitik oder eine neue Migrationspolitik – Merz spricht unangenehme Themen an und bezieht Position. Das gleiche gilt für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und das leidige Thema Gendern. Die anderen Kandidaten waren immer wesentlich strukturkonservativer, was man von ihm nicht behaupten kann.

Er ist wertkonservativ und genau das braucht die CDU jetzt, die unter Angela Merkel in der Wahrnehmung vieler von einer wert- zu einer strukturkonservativen Partei wurde. Leider.

Auch Befürchtungen, er sei nur der Kandidat der konservativen CDU-Basis und außerhalb der Partei dem Volk und vor allem Frauen nicht vermittelbar, haben sich bisher als haltlos herausgestellt. Merz kommt gut an und machte auch in diversen Umfragen stets eine gute Figur.

Ich hoffe für die Zukunft, dass Friedrich Merz seinen Positionen treu bleibt und nicht zu sehr in die sogenannte Mitte rutscht. Merz muss bei zentralen Positionen standhaft bleiben und darf nicht einknicken. Mit dieser Hoffnung wurde er gewählt.

Nun ist Merz also designierter Parteichef der CDU. Am 21. und 22. Januar 2022 findet der CDU-Parteitag statt, auf dem er von den Delegierten als Bundesvorsitzender bestätigt werden soll. Merz wird ein guter Parteivorsitzender, einer der der CDU wieder ein klares Profil gibt. Davon bin ich überzeugt. Ich freue mich darauf.