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Mehr Freiheit wagen: Warum 2022 ein „Freedom Year“ werden muss

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Deutschland steht vor der Zerreißprobe. Die Fronten scheinen verhärtet, die gesellschaftlichen Grabenkämpfe werden immer brutaler. Der einzige Weg aus der Misere ist die Freiheit.

Zur Zeit beschäftigt das Land neben der Omikron-Variante noch ein weiteres Phänomen, das wortwörtlich seine Runden zieht: Die sogenannten „Spaziergänger“. Eine Ansammlung von Menschen, die vielerorts durch die Städte zieht und aus unterschiedlichen Gründen für das Ende der Corona-Maßnahmen protestiert.

Bundeskanzler Olaf Scholz verkündigte, nicht zuletzt in seiner Neujahresansprache, folgendes: „Viel ist ja zurzeit von der angeblichen Spaltung unserer Gesellschaft die Rede. Dazu stelle ich fest: Unsere Gesellschaft ist nicht gespalten.“

In meinen Augen ist diese Annahme kolossal falsch, naiv und gefährlich zugleich. Schaut man sich um, spricht man mit den Menschen im Land oder beobachtet die Zahlen, dann kann angenommen werden, dass unsere Gesellschaft seit der Wiedervereinigung noch nie so entzweit war. Seit Monaten hören wir seitens der Politik, Wissenschaft und Medien Appelle, Ratschläge und neue Verordnungen, die das Land zurück in die Normalität führen sollen. Trotz alledem haben sich rund 10 Millionen Bürger dazu entschieden, sich nicht impfen zu lassen. Am Arbeitsplatz und auch im Freundeskreis wächst der Druck und durch die 2G-Regel ist ein gesellschaftliches Leben für diese Millionen Bürger kaum noch möglich.

Vor allem im Osten wird diese Spaltung besonders sichtbar. Niedrige Impfquote gepaart mit Hass und Häme gegenüber dem vermeintlichen Parteien-Establishment. Die Menschen tragen zusehends ihren Protest auf die Straße oder laufen zur AfD über.

Besonders gefährlich wird es, wenn plötzlich die „Bürger der Mitte“, also all jene, die seit fast zwei Jahren jeden Lockdown oder jede Maßnahme mittragen, ihre Stimme erheben. Darunter fallen viele Bürger, die sich haben impfen lassen, weil seitens der Politik und der Impfstoffhersteller Freiheit und ein Ende der Maßnahmen versprochen wurde.

Und es sind zusehends eben jene Bürger, die auf die Straße gehen und protestieren. Zum einen, weil sie trotz Impfung immer noch in ihrer Freiheit eingeschränkt sind oder weil sie sich solidarisch zeigen wollen, sei es mit leidenden Gastronomen, den jungen Menschen, die keine Perspektive mehr erkennen, oder einfach mit den ungeimpften Mitbürgern.

Nun muss man ehrlicherweise sagen: Unter den Menschen, die auf diesen Demonstrationen mitlaufen, sind nicht nur normale Bürger der Mitte, sondern auch extrem rechte und radikale Kräfte vertreten. Dennoch macht man es sich zu leicht, wenn man per se und pauschalisierend von Rechtsradikalen oder Querdenkern spricht. Unsere parlamentarische Demokratie muss Protest und Widerspruch aushalten können. So steht es in unserem Grundgesetz.

Ein weiteres heikles Thema ist die Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht. Diese Frage ist so brisant, dass sie zur Schicksalsentscheidung der kommenden Monate werden könnte. Denn nichts polarisiert derzeit so sehr, wie die Einführung einer solchen allgemeinen Pflicht. Sollte die Bundesregierung eine solche Maßnahme verabschieden, droht diesem Land ein Proteststurm von ungeahnter Größe.

Daher müssen wir uns als Gesellschaft doch ehrlich die Frage stellen: Welchen Nutzen hätte eine solche Pflicht? Wem bringt sie etwas? Niemanden, wie ich finde. Eine derart einschneidende Maßnahme würde die Glaubwürdigkeit von Politik und Wissenschaft endgültig untergraben. Monatelang wurde eine generelle Impflicht kategorisch ausgeschlossen, doch das war vor der Bundestagswahl. Dabei sollte die Politik bleiben. Des Weiteren darf nicht in Vergessenheit geraten, dass eine Impfung am Ende des Tages noch immer ein medizinischer Eingriff ist, der unter Umständen negative Folgen nach sich ziehen kann, auch wenn dies nur selten auftritt. Daher ist es immens wichtig, dass hier die das Recht auf körperliche Unversehrtheit unberührt bleibt.

Unser Land sollte daher die Freiheit in den Vordergrund stellen. Ja, das Corona-Virus ist und bleibt für bestimmte Bevölkerungsgruppen eine Gefahr. Dennoch, mit Impfung, wirksamen Therapeutika und klaren Regeln muss das gesellschaftliche Leben nun wieder hochgefahren werden. Wir können nicht im Dauer-Ausnahmezustand leben, sondern müssen wieder mehr auf Eigenverantwortung setzen.

Mittlerweile hat jeder Bürger ein Impfangebot erhalten und jeder sollte sich bezüglich seines individuellen Befindens bewusst sein. Dass sich irgendwann jeder mindestens einmal infiziert haben wird, ist laut Virologen sicher. Und angesichts der Tatsache, dass Geimpfte immer noch zum Infektionsgeschehen beitragen, sollten wir nun die baldige Öffnung des Landes in die Wege leiten. Der Staat kann nicht jeden Bürger auf ewig schützen, wie auch?

Setzen wir daher doch auf mündige Bürger. Die neuartige Omikron-Variante darf hierbei keine Ausrede sein. Schließlich mehren sich die Hinweise darauf, dass sich Omikron zwar wesentlich schneller verbreitet als Delta, aber eben auch weniger schwere Fälle verursacht.

Es steht viel auf dem Spiel. Die Glaubwürdigkeit in staatliche Institutionen, in die Wissenschaft und in die Medien. Wollen wir unser Land nicht weiter auseinandertreiben, braucht es noch in diesem Jahr einen deutschen „Freedom Day“. Denn wer bereit ist, Freiheit zu opfern, um Sicherheit zu gewinnen, verdient weder das eine noch das andere, und wird am Ende beides verlieren.