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picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Hoffnungsträger Friedrich Merz: Zurück zu alter Stärke

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Zweimal hat man in der CDU Friedrich Merz als Vorsitzenden verhindert. Mit seinem klaren Sieg heute wird deutlich: Jetzt ist endlich auch einmal das konservative Lager dran.

Es war ein langer und steiniger Weg für Friedrich Merz an die Spitze der CDU. Zweimal war er auf Parteitagen gescheitert, konnte keine Mehrheit der Delegierten hinter sich vereinigen. Zu groß waren damals die Widerstände gegen ihn, zu viele Gegner in den Reihen der CDU mobilisierten gegen den Mann, den einige verächtlich als „Sauerland-Trump“ bezeichneten.

Die Merkel-Fans und linksliberalen in der Union rieben sich an ihm und Teile des Partei-Establishments intrigierten gegen ihn, wie er damals selbst in einem Fernsehinterview bekannte. So blieb er am Ende Favorit und dennoch chancenlos. Denn ohne den Segen des Merkel-Lagers konnte er nur verlieren.

Doch gerade dieser Bruch, diese Andersartigkeit, die klare konservative Kante, brachte ihm auch eine Welle der Sympathie ein. Vor allem bei den einfachen Mitgliedern. Seine Anhänger wollten ihn vor allem, weil er über Jahre als scharfer Kritiker Angela Merkels aufgetreten war. Innerparteilich wurde er so eine Projektionsfläche für die eigenen Wünsche. Vor allem für die, die sich eine konservativere Handschrift wünschten - war die CDU doch schon immer eine Partei der Mitte, aber eben auch mitte-rechts.

Doch genau diese Kurskorrektur machte Teilen der Funktionäre Angst. Sie wählten daher nicht ihn zum CDU-Vorsitzenden, sondern erst Annegret Kramp-Karrenbauer, dann Armin Laschet. Beide kamen aus dem Merkel-Flügel, beide versuchten, den konservativen Teil ihrer Partei anzuhören, einzubinden und zufriedenzustellen. Funktioniert hat es nicht. Vor allem Laschet fehlte es im Wahlkampf an Rückenwind aus den eigenen Reihen. Bei der Bundestagswahl scheiterte er grandios, nicht nur, aber auch an der eigenen Partei.

Die Bedingungen, mit denen Kramp-Karrenbauer und Laschet es zu tun hatten, waren jedoch auch ungewöhnlich komplex. Und dennoch: Jetzt ist endlich Merz dran. Er löst bei seinen Anhängern zwar nicht mehr dieselbe Begeisterung aus wie noch vor drei Jahren, dennoch ist sein Ergebnis überdeutlich und ein Signal. Friedrich, mach es bitte anders.

Ob Merz ein erfolgreicher Vorsitzender sein wird, hängt auch davon ab, ob er schafft, was Kramp-Karrenbauer und Laschet nicht gelungen ist. Den anderen Flügel einzubinden und zu befrieden. Gleichzeitig muss er aber auch den konservativen Markenkern der CDU wieder stärken. Dann auch dafür wurde er gewählt. Das erwarten seine Anhänger von ihm.

Es werden harte Jahre für CDU und CSU. Gerade die CDU ist inhaltlich ausgezehrt und organisatorisch schlecht aufgestellt. Friedrich Merz muss hier neue Wege gehen. Auch als Oppositionsführer im Bundestag wird er den richtigen Ton finden müssen, um die links-gelbe Koalition zu stellen und für die eigenen Positionen zu werben. Eine Herausforderung. Doch Merz, das „Comeback Kid“ der CDU, hat das Zeug dazu, die Partei neu aufzustellen und zu alter Stärke zu führen.