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iStock / Simone Crespiatico

Generation-Z: Eine Generation ohne Werte?

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Weiblich, 22 Jahre, im Wiener Gemeindebau aufgewachsen und konservativ, bin ich die Ausnahme? Manchmal fühlt es sich fast so an. Eine konservative Bestandsaufnahme.

Während meine Studienkollegen auf den Straßen des Landes demonstrieren gehen, verbringe ich meine Zeit lieber damit, mich politisch zu engagieren. Nicht nur das, ich würde mich selbst generell als konservativ bezeichnen und bilde dazu teilweise einen Kontrast zu anderen in meinem Alter.

Aber was bedeutet der Begriff „Konservatismus“ im 21. Jahrhundert überhaupt? Eine Frage, mit der sich junge Konservative immer wieder konfrontiert sehen. Unterschiedliche Gruppierungen vertreten jeweils ihre eigene Auffassung dieses Begriffs. Besonders in vermeintlich linksliberalen Milieus wird der Begriff des Konservatismus oft als besonders negativ angesehen, ja er gilt beinahe schon als eine Art Beleidigung, gefühlt steht man damit politisch im Abseits.

Ich erinnere mich noch sehr genau an meine Schulzeit. Als ich mich damals als Teenager dazu bekannt habe, konservative Positionen zu vertreten und die ÖVP zu wählen, war das für meine Klassenkameraden beinahe ein Skandal. Um einige prägende Aussagen zu notieren, welche mir besonders im Gedächtnis geblieben sind: „Sehr ungewöhnlich für ein Mädchen Deines Alters“, „Das kommt sicher vom Elternhaus“, „So jung und schon so altmodisch“. Das sind lediglich wenige ausgewählte Zitate, die ich mir anhören musste und immer noch anhören muss.

Meine kleine Schwester erlebt Ähnliches. Sie ist jetzt 17 Jahre alt und ein verhältnismäßig unauffälliges Mädchen, das sich aber offen zu ihren Werten bekennt und sich in einer konservativen Partei engagiert. Das empfinden Teile ihres Umfelds jedoch als sehr ungewöhnlich und haben sie das dementsprechend schon häufig spüren lassen, indem man sie als „zu konservativ“ und gar als „rechts“ gebrandmarkt hat.

Traurigerweise ist dies sogar ein Grund für manche Menschen, ehemalige „Freunde“, den Kontakt abzubrechen und sie einzig und allein wegen ihrer politischen Gesinnung zu meiden. Um das mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Ihr wurden Vorwürfe gemacht, weil sie als Einzige nicht zur „Fridays for Future“-Demonstration, sondern zur Schule gegangen ist.

Ist das ein Phänomen, das nur konservative junge Menschen erleben? Umgekehrt habe ich es zumindest noch nie mitbekommen.

Der Trend unter der jungen Generation, auch als „Generation Z“ bekannt, geht aus meiner Sicht in eine besorgniserregende Richtung. Viele verstehen sich als politisch links stehende „Gutmenschen“, die meinen die Wahrheit für sich gepachtet haben. Heutzutage scheint es für mich so, als gäbe es nur mehr Extreme: Du kannst dich entweder ganz links einordnen und wirst vom politischen Mainstream akzeptiert oder du lässt es ganz bleiben. Ein vernünftiger Mittelweg kommt anscheinend nur für die wenigsten infrage.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Klimadebatte. Selbstverständlich ist mir als Konservative ein genauso wichtiges Anliegen, dass zukünftige Generationen in einer lebenswerten Umwelt aufwachsen können.

Für linksgerichtete Parteien kann man bei diesem Thema allerdings als Konservativer scheinbar nur Fehler machen. „Bist du dafür oder dagegen? Für den Klimaschutz oder nicht? Guter Mensch oder schlechter Mensch?“, davon hängt ab, ob du dich für ein Thema einsetzen darfst oder eben nicht. Auch hier steigt der Druck bereits bei den Jüngsten. Dabei ist doch die eigentliche Frage nicht ob man das Klima schützen will, sondern was die vernünftigste Herangehensweise dafür ist.

Immer wenn ich mit politisch andersdenkenden Freunden über Politik diskutiere, fällt mir auf, dass wir auffallend viele ähnliche Ansichten haben, sie aber am Ende des Tages trotzdem grün, rot oder vielleicht sogar dunkelrot wählen.

Vielen ist einfach nicht bewusst, dass sie tiefkonservative Werte leben und lassen sich von Medien, ihrer Umgebung oder der Einfachheit halber von ihrem Freundeskreis beeinflussen. Wenn verschiedene Wertesysteme aufeinandertreffen, ist das immer eine Grundlage für Reibung, doch im Endeffekt haben wir oftmals ähnliche Ziele.

Also: Was bedeutet „konservativ sein“ für mich persönlich? Bewahren, was sich bewährt hat und Veränderung dort bewirken, wo es unserer Gesellschaft einen Mehrwert bietet.

Sich dazu zu bekennen, dass Familien mit Kindern das Fundament einer gut funktionierenden Gesellschaft sind. Verantwortung für nachhaltiges Handeln und den Schutz der Natur übernehmen, damit künftige Generationen noch auf einem lebenswerten Planeten leben können. Eine Politik zu betreiben, die das Beste für ihre Bürger will und Politiker, die stolz auf ihr Land sind. Österreichische Werte und Traditionen beizubehalten, damit auch noch meine Enkelkinder sie leben können.

Doch das Kuriose ist, dass all die genannten Punkte eigentlich selbstverständlich sein sollten und wenig Kontroversen auslösen. In vielen Ländern dieser Welt ist dies auch der Fall, nicht so bei uns. Dies anzugehen ist auch Aufgabe konservativer Politik.