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picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Thibault Camus

Erster Antrittsbesuch: Macron empfängt Scholz in Paris

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Frankreich ist traditionell das Reiseziel Nummer eins neuer Kanzler. Daran hält sich auch Olaf Scholz. Anschließend geht es nach Brüssel.

Erste Auslandsreise des Bundeskanzlers

Zwei Tage nach seiner Vereidigung als Bundeskanzler ist Olaf Scholz zu seinem ersten Antrittsbesuch nach Paris gereist. Präsident Emmanuel Macron empfing den SPD-Politiker am Freitagnachmittag im Élysée Palast zu einem Gespräch unter vier Augen und einem Mittagessen. Anschließend wollte sich Scholz bei der Europäischen Union und bei der Nato in Brüssel vorstellen.

Der Kanzler und seine zehnköpfige Delegation starteten am Vormittag mit dem Regierungs-Airbus „Theodor Heuss“ nach Paris. Scholz kennt den Flieger schon von seinen Reisen als Vizekanzler und Finanzminister. Schon vor seiner Wahl zum Kanzler hatte er angekündigt, dass seine erste Auslandsreise nach Paris zu Macron gehen würde. „Wir treffen uns, um eine gemeinsame Strategie mit Frankreich zu entwickeln“, sagte er vor seinem Abflug.

Neues Kapitel in deutsch-französischer Freundschaft

Macron hatte am Mittwoch in seiner Gratulation an Scholz auf Twitter ebenfalls die deutsch-französische Zusammenarbeit für Europa beschworen. „Das nächste Kapitel werden wir zusammen schreiben. Für die Franzosen, für die Deutschen, für die Europäer“, schrieb er. Frankreich übernimmt im Januar die EU-Ratspräsidentschaft.

Streit um Kernenergie

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) besuchte Paris und Brüssel bereits am Donnerstag. Ein starkes Europa brauche starke deutsch-französische Impulse, sagte auch sie. 100 Prozent Harmonie gab es bei ihrer Visite aber nicht. Baerbock bekräftige ihre Ablehnung der französischen Pläne zur Einstufung von Kernenergie als „grüner“ Energie: „Dass wir zu der Frage Nuklear unterschiedliche Positionen haben, das ist ja bekannt“, sagte sie.

Scholz sagte zu der Frage, die Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels seien überall auf der Welt unterschiedlich. Es gehe darum, „eine Kraft zu schaffen, die es möglich macht, jeweils unterschiedlich auf das gleiche Ziel zuzumarschieren, aber gleichzeitig auch etwas zu schaffen, auf das man sich miteinander verständigen kann“.

Frankreich will zusammen mit Ländern wie Polen und Tschechien Kernenergie um jeden Preis als „grün“ kennzeichnen und findet dabei breite Unterstützung in der EU. Deutschland, Luxemburg und Österreich sind strikt dagegen.

Erste Auslandsreise traditionell nach Frankreich

Der erste Antrittsbesuch von Kanzlern und Kanzlerinnen geht traditionell nach Frankreich. Gerhard Schröder war 1998 sogar schon vor seiner Wahl zum Regierungschef in Paris. 2005 flogen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr damaliger Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gemeinsam nach Paris und dann nach Brüssel.

Nächster Halt Polen

Diesmal ist Baerbock dem Regierungschef Scholz mit ihren Antrittsbesuchen einen Schritt voraus. Die Außenministerin ist am Freitag in Polen, dem zweitgrößten Nachbarland Deutschlands nach Frankreich. Scholz wird in Warschau erst am Sonntag erwartet.

Wie gut die Zusammenarbeit der beiden in der Außenpolitik funktionieren wird, ist eine der spannenden Fragen für die ersten Monate der ersten Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP auf Bundesebene. So fordert Baerbock einen härteren Kurs gegenüber China. Merkel und Scholz hatten bisher eher auf Dialog gesetzt. Vor allem die USA dringen darauf, dem „Systemrivalen“ China mit mehr Härte zu begegnen.

Auch in der Russland-Politik gibt es Differenzen. Die Grünen lehnen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland klar ab. Auch hier ist noch offen, wie Scholz sich verhält - gerade mit Blick auf den russischen Truppenaufmarsch in der Nähe der ukrainischen Grenze.

Zoff um Zuständigkeit

„Die Regierung arbeitet gemeinsam für unser Land, und wir werden auch gemeinsam agieren, auch in den Fragen der Außenpolitik oder der Europapolitik“, hat Scholz beteuert. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hatte zuvor mit der Äußerung, die deutsche Außenpolitik werde „insbesondere im Kanzleramt“ gesteuert, die Grünen gegen sich aufgebracht. Der Außenpolitiker Omid Nouripour (Grüne) wetterte gegen eine überkommene „Koch-Kellner-Logik“.

Scholz will „Weiter so“ in der Außenpolitik

Scholz hat insgesamt Kontinuität in der deutschen Außenpolitik versprochen und das beim G20-Gipfel im Oktober zusammen mit Merkel auch demonstriert. Beide traten dort quasi als Doppelspitze auf und absolvierten die wichtigsten Termine unter anderem mit US-Präsident Joe Biden gemeinsam.

Es gibt neben der Russland- und China-Politik aber weitere Felder, bei denen es schwierig werden könnte mit dem nahtlosen Übergang zwischen den beiden Regierungen. Während Scholz und die SPD weitestgehend die Linie von Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel fortsetzen möchten, fordern Grüne und FDP eine härtere Haltung gegenüber China und Russland.

Dazu gehören zwei Themen, die Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei seinem Treffen mit Scholz ansprechen könnte. Das Ziel des Bündnisses, dass jeder Mitgliedstaat zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgibt, ist im Koalitionsvertrag nicht erwähnt.

Und ein Bekenntnis zur Beteiligung Deutschlands an der nuklearen Abschreckung der Nato, also zur weiteren Stationierung von US-Atombomben in Deutschland, ist auch nicht enthalten. Bei beiden Themen sind nicht nur die Grünen, sondern auch Teile der SPD für eine Kurskorrektur.

EU-Staaten kritisieren Regierung Scholz

Scholz sollte in Brüssel auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel treffen. Dabei wird es auch um den Zusammenhalt des Staatenbundes gehen. Scholz wurde nicht von allen seinen Kolleginnen und Kollegen in den 26 anderen Mitgliedstaaten freundlich empfangen.

„Die neue linksliberale Regierung strebt weg von Kohls Europa der Vaterländer hin zu einer migrations- und genderfreundlichen, deutsch geprägten, zentralistischen Politik aus Brüssel. Hier stehen wir nicht mehr Seite an Seite“, schrieb der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung. In der nächsten Woche nimmt Scholz erstmals als Kanzler an einem EU-Gipfel teil.

rob/dpa