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picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Ernte im Herbst: Deutschlands Energiepolitik in Scherben

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Wir erleben in diesen dramatischen Zeiten, wie linke Ideologien an der bitteren Realität scheitern. Die handelnden Akteure scheinen jedoch auf ihrem Irrweg zu bleiben. Den Preis dafür zahlt die deutsche Volkswirtschaft.

Ein Haufen linker Lebenslügen ist uns in den letzten Monaten bereits auf die Füße gefallen. Zum Beispiel, dass wir nicht mehr gefährdet seien, weswegen wir unsere Bundeswehr ohne Schmerz von einer Einsatzarmee zu einer Territorialarmee degradiert haben.

Oder, dass wir keine heimischen Energieträger brauchen, als Sonne und Wind, weswegen wir mal eben aus der Kohle- und der Kernkraft gleichzeitig aussteigen. Als einziges Industrieland der Welt, in der naiven Hoffnung, dass uns der Rest der Welt schon folgen wird. Was natürlich bis heute nicht passiert ist.

Dass das alles ausgemachter Unfug ist, sehen wir streng genommen nicht erst jetzt. Wir haben uns gegenseitig erzählt, dass die erneuerbaren Energien einen absoluten Überfluss an sauberem Billigstrom bringen würden. Irgendwann haben es alle geglaubt. Nicht nur die grünen Ideologen, sondern auch CDU, CSU und FDP. Wo ist er denn nun, die billige Energie? Diese Ideen sind nicht zukunftsfähig gewesen. Sie waren zum Scheitern verurteilt.

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit? Und zwar ganz ungeschminkt: Wir laufen als Bundesrepublik Deutschland sehenden Auges in eine Kreissäge. Diese Kreissäge wird uns im Herbst dann als ein unabänderlicher Zustand, ein unumgängliches Faktum präsentiert, das wir nicht hätten beeinflussen können. Vielleicht wird dann noch einmal in die Trick-Kiste gegriffen, und recycelt, was uns dieser Tage an großartigen Tipps zur Rettung der Ukraine, des Klimas und der eigenen Seele an die Hand gegeben wird. Maß halten, Einschränkungen akzeptieren und dazu am besten den Mund halten. Nur nicht aufmucken.

In der „alten Welt“ war die Energiepolitik noch halbwegs planbar, Gas- und Strompreise bezahlbar. In dieser alten Welt hatte unser Wirtschaftsminister noch Zeit, in Ruhe frische Brötchen zu frühstücken. Blicken wir in die neue Welt, stellen wir fest: Die Ampel hält nicht nur den Verkehr auf, sondern zwingt unser Land zum Stillstand. Wir stehen vor einer monetären Marktpreisexplosion mit einem, im Peak, verzwanzigfachten Preis für die Kilowattstunde Strom. Wir stehen täglich vor der Gasfrage, der Frage nach Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit, Existenz. Denn: welcher halbwegs energieintensive Mittelständler soll so noch produzieren? Die Antworten auf diese Fragen sind meist poetisch, wie aus einem Kleinstadt-Kabarett mit ausbleibender Pointe.

Und was ist mit uns? Wir sollen unseren Wohlstandsverslust einfach klaglos akzeptieren. Außerdem ist eine grüne Mangelwirtschaft ja auch eine Chance. Ja, da war doch was – die ökologische Transfomation. Die grüne, parteinahe Heinrich-Böll-Stiftung zeigt uns einen Weg auf, dieses hehre Ziel treffsicher erreichen zu können: Mit der Begrenzung von Produktion und Konsum; verknappen, verbieten. Geht es nach der grünen Stiftung, sollen das schon die Schüler von klein auf im Unterricht lernen.

Wir sollen im Winter also ruhig frieren, grundsätzlich weniger essen, im Sommer kürzer duschen. Immerhin hat Robert Habeck auch noch nie länger als fünf Minuten geduscht. Das muss doch für den Rest der 83 Millionen Deutschen ein Totschlagargument sein.

Der gewitzte Robert Habeck ruft den Souverän auf: Jeder solle seinen Energieverbrauch um zehn Prozent verringern. Das dürfte vor allem wir Hohn in den Ohren derjenigen klingen, die den Gürtel jetzt schon ins letzte Loch geschnallt haben. Mittelschicht und Geringverdiener sind längst dabei, überall größte Abstriche zu machen: Lebensmittel, Freizeit, Mobilität. Rationieren und Prioritäten setzen. Weil wir von einer Inflationsrate um die acht Prozent dazu gezwungen werden. Und da wundern wir uns tatsächlich, wenn sich die meisten Menschen fragen, ob hierzulande noch alles richtig sitzt?

So geht Vertrauen verloren. Denn was vielen Menschen immer klarer wird: Die Krise in ihrer jetzigen Form ist hausgemacht. Wer Putin alles in die Schuhe schiebt, muss die letzten Jahre in einem anderen Land gelebt haben. Wir sind aus Kernkraft und Kohle ausgestiegen und haben unsere Infrastruktur links liegen lassen. Wir haben so getan, als würden wir in einem Land leben, dessen Menschen keine echten Sorgen haben.

Anders lässt sich nicht erklären, wie wir es erlauben konnten, dass sich große Teile der politischen und medialen Klasse in den letzten Jahren mit Dingen zu beschäftigten, die den Alltag der allermeisten Bürger in diesem Land weder beschäftigen, noch irgendeine Form von Relevanz für ihn besitzen.

Laut dem spitzfindigen Habeck müsse sich in diesen Tagen zeigen, wer „Bock auf dieses Land“ habe. Ich sage: Die allermeisten hier lebenden Menschen haben „Bock“ auf dieses Land. Weil sie anerkennen, was für ein Glück es ist, hier in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand leben zu dürfen. Keine Lust allerdings werden wir hier langfristig auf eine Regierung haben, die weiter unterminiert, erzieht, und gleichzeitig nicht mehr handlungsfähig ist. Die dafür sorgt, dass sogar die Dusche zum Politikum geworden ist und im Gegensatz dazu nichts dafür getan wird, dass wir auch nur halbwegs sicher durch den vor uns liegenden Winter kommen. Was hier gesät wird, wird geerntet werden.

Wir sehen ein Land, das führungslos ist, ein Land mit unbezahlbarer Energie, ein Land ohne Antworten. Wir stehen an der Klippe, nach 33 Jahren Einigkeit. Wir stehen vor einer neuen Welt, mit neuen Abhängigkeiten, einer fehlenden Vision, einer verstummten Industrie.

(it was) made in Germany.

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